Förderung der beruflichen Weiterbildung – Die Bildungsprämie

Es gibt viele Menschen, die sich beruflich weiterbilden möchten, sich dies finanziell aber nicht (oder nur schwer) leisten können. Diese Personen sollen mit der Bildungsprämie unterstützt werden. Sie umfasst den Prämiengutschein und den Spargutschein. Was sich genau dahinter verbirgt, möchten wir euch heute vorstellen.

Was ist die Bildungsprämie?

Bei der Bildungsprämie handelt es sich um ein Bundesprogramm, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfond gefördert wird. Ende 2008 ist das Bundesprogramm gestartet. Bisher haben schon über eine viertel Million Menschen die Bildungsprämie genutzt.

Wir haben in den letzten Monaten bereits beschrieben, dass sich unsere Arbeitswelt stetig verändert und neue (technologische) Entwicklungen dazu führen können, von Arbeitslosigkeit bedroht zu sein. Berufliche Weiterbildungen können daher Arbeitsplätze sichern. Außderdem steigt bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern der Wunsch nach Abwechslung und danach, fachlich etwas Neues zu lernen. Die Bildungsprämie setzt genau hier an.

Durch einen staatlichen Zuschuss kann man als Arbeitnehmer/in so, unabhängig vom Arbeitgeber, unterstützt werden. Auch mit geringerem Einkommen wird die Teilhabe am Lebenslangen Lernen damit ermöglicht.

Ziele und Zielgruppen

Mit der Bildungsprämie wird also die individuelle berufsbezogene Weiterbildung gefördert. Individuell heißt, dass es um die persönlichen Bildungsinteressen geht, also nicht um die Interessen des Arbeitgebers. Mit „berufsbezogen“ ist gemeint, dass die ausgewählte Weiterbildung für den beruflichen Kontext wichtig sein muss – für die aktuelle oder eine geplante neue Tätigkeit.

Zusammengefasst sind die vorrangigen Ziele der Bildungsprämie:

  1. Durch finanzielle Anreize mehr Menschen zur individuellen Finanzierung von Weiterbildung zu motivieren und zu befähigen.
  2. Die Beschäftigungsfähigkeit durch individuelle Weiterbildung zu fördern.
  3. Personen zu vermitteln, dass Bildungsausgaben Investitionen darstellen – auch denen, die bislang noch nicht in ihre eigene Weiterbildung investieren.

Mit dem Programm sollen daher vor allem Geringqualifizierte angesprochen werden und Menschen, die die Kosten für eine Weiterbildung aufgrund ihres geringen Einkommens nicht ohne weiteres selbst bezahlen können.
(Quelle: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (2012): Datenmonitoring und Evaluation des Programms „Bildungsprämie“. Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), S. 19)

Was umfasst die Bildungsprämie?

Für die Förderung der individuellen berufsbezogenen Weiterbildung stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: der Prämiengutschein und der Spargutschein. Die beiden Gutscheine können miteinander kombiniert werden. Dazu gehört außerdem eine persönliche Prämienberatung.

Mit dem Prämiengutschein könnt ihr eine Förderung der Weiterbildungskosten in Höhe von 50% bekommen. Das heißt, Erwerbstätige zahlen selbst nur die Hälfte der Kosten. Die jeweilige Weiterbildung darf in den meisten Bundesländern allerdings insgesamt nicht mehr als 1000 Euro kosten. Für teurere Weiterbildungen gibt es spezielle Landesprogramme, über die wir euch in den nächsten Monaten weiter informieren.

Möchtest du zum Beispiel eine Fortbildung besuchen, die 150 Euro kostet, dann erhältst du 75 Euro Zuschuss und musst 75 Euro selbst bezahlen. Kostet eine Weiterbildung zum Beispiel 500 Euro, dann erhältst du 250 Euro Zuschuss und bezahlst 250 Euro selbst.

Neben der direkten Unterstützung durch den Prämiengutschein können Weiterbildungsmaßnahmen (auch) durch das Weiterbildungssparen finanziert werden. Unabhängig vom Einkommen und den weiteren Förderbedingungen, die für den Prämiengutschein gelten, können vom Weiterbildungssparen alle Personen profitieren, die über entsprechende Ansparguthaben verfügen.

Mit dem Spargutschein können Weiterbildungen mit sogenannten vermögenswirksamen Leistungen gefördert werden. Voraussetzung ist dabei natürlich, dass ihr als Arbeitnehmer/in diese Leistungen über den Betrieb auch anspart. Sparende, die ein Sparguthaben nach dem Vermögensbildungsgesetz (VermBG) besitzen, können ihr Geld bereits vor Ablauf der Sperrfrist entnehmen und damit eine berufliche Weiterbildung finanzieren. Im Normalfall darf das Guthaben nämlich sieben Jahre lang nicht angetastet werden, sonst geht die Arbeitnehmersparzulage verloren. Fließt das Geld in die Weiterbildung, bleibt die Zulage jedoch erhalten. Nähere Infos zum Spargutschein findet ihr hier.

Pro Kalenderjahr könnt ihr einen Prämiengutschein erhalten!

Außerdem können beide Komponenten miteinander kombiniert werden. Erwerbstätige können, wenn sie alle Voraussetzungen erfüllen, einen Prämiengutschein erhalten und die verbleibenden Kosten beispielsweise über das Weiterbildungssparen finanzieren.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ich einen Prämiengutschein bekomme?
  • Um für einen Prämiengutschein berechtigt zu sein, müsst ihr mindestens 25 Jahre alt sein und 15 Stunden pro Woche arbeiten oder in Elternzeit oder Pflegezeit sein.
  • Außerdem darf euer zu versteuerndes Einkommen im Jahr höchstens 20.000 Euro hoch sein. Für den Fall, dass ihr verheiratet seid, verdoppelt sich die Summe. Das zu versteuernde Einkommen beider Ehepartner darf zusammen höchstens 40.000 Euro betragen.
  • Ihr dürft im laufenden Kalenderjahr noch keinen Prämiengutschein erhalten haben.
  • Ihr müsst die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder in Deutschland arbeiten dürfen.

Tipp: Euer zu versteuerndes Einkommen findet ihr auf eurem letzten Steuerbescheid!

Letztlich werden die individuellen Bedingungen durch die Prämienberatung geprüft. Die kostenlose vorangehende Beratung in einer Beratungsstelle ist Voraussetzung für die Förderung. Speziell geschulte Beraterinnen und Berater unterstützen und informieren euch in allen Fragen rund um das Thema und stellen den Prämiengutschein auch aus. In Deutschland gibt es inzwischen rund 530 Beratungsstellen. Eine passende Beratungsstelle in eurer Nähe findet ihr hier.

Das müsst ihr zur Beratung mitbringen:
  1. einen gültigen Personalausweis,
  2. einen Beschäftigungsnachweis, zum Beispiel euren Arbeitsvertrag,
  3. einen Einkommensnachweis, zum Beispiel einen Einkommensteuerbescheid oder eine Gehaltsabrechnung,
  4. eine Datenschutzerklärung erhaltet ihr bei dem Beratungstermin und müsst sie dort ausfüllen.
Bitte unbedingt beachten:

Den Prämiengutschein für eine Weiterbildung könnt ihr nur einsetzen, wenn die Maßnahme noch nicht begonnen hat und der Eigenanteil an den Kosten noch nicht bezahlt wurde. Außerdem darf die Rechnung noch nicht ausgestellt worden sein und der Gutschein selbst darf nicht älter als sechs Monate sein (Gültigkeit ab Ausstellungsdatum).

Fahrt-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten können nicht gefördert werden! Außerdem muss die Maßnahme für die ihr euch entscheidet, in Deutschland stattfinden.

Was/Wer wird nicht gefördert?
  • Frauen und Männer, die ALG I oder ALG II erhalten
  • Frauen und Männer, die Anspruch nach dem AFBG (Meister-BAföG) haben
  • Frauen und Männer ohne Arbeitserlaubnis für Deutschland
  • Schüler/innen, Auszubildende, Studierende oder Rentner/innen und Pensionäre/Pensionärinnen
  • Personen, die weniger als 15 Stunden in der Woche erwerbstätig sind
  • Erwachsene, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben
  • Weiterbildungsmaßnahmen, die über 1000 Euro kosten
Tipp:

Förderfähig sind nicht nur Kurse mit typischen Berufsthemen wie Rhetorik, Kommunikation, Finanzbuchführung oder EDV, sondern grundsätzlich auch alle Sprachkurse oder Prüfungen.

Mit der Bildungsprämie haben wir euch eine Möglichkeit der Finanzierung der beruflichen Weiterbildung vorgestellt, mit der ihr euch besser qualifizieren könnt und dadurch mehr berufliches Selbstvertrauen erlangt. So seid ihr bestens für neue berufliche Aufgaben vorbereitet und verringert selbst die Gefahr von Arbeitslosigkeit. Im ersten Datenmonitoring und im Evaluationsbericht von 2012 könnt ihr nachlesen, wie erfolgreich das Programm bislang lief und wie zufrieden vor allem die Nutzerinnen und Nutzer mit ihren Erfolgen sind.

Weiterbildung lohnt sich!!!

Sowohl auf Facebook als auch auf YouTube könnt ihr noch mehr zum Thema Bildungsprämie erfahren. Hier findet ihr wertvolle Informationen und kurze Videoclips, wie diesen hier:

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Das Bundesministerium für Bildung und Forschung berät und unterstützt euch ganz gezielt! In der Broschüre „Die Bildungsprämie kurz erklärt“ und „Hol dir deine Bildungsprämie“ findet ihr alle ersten wichtigen Informationen und hilfreiche Praxisbeispiele.

Informationen und Vorteile für Weiterbildungsanbieter sind hier zu finden.

Wenn ihr weitergehende Fragen zur Finanzierung und zu öffentlichen Fördermöglichkeiten habt, steht euch das Infotelefon zur Weiterbildungsberatung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Verfügung. Hier bekommt ihr gebündelte Informationen und es wird euch der Weg zur passenden Weiterbildung aufgezeigt. Persönliche Ansprechpartner vor Ort können euch hier genannt werden. Die Beraterinnen und Berater sind montags bis freitags zwischen 9:00 und 17:00 Uhr für euch da: Die kostenlose Servicehotline für die Bildungsprämie ist erreichbar unter: 0800 – 26 23 000 oder unter bildungspraemie@buergerservice.bund.de.

Bildquellen:

Programmlogo: Homepage BMBF, Öffentlichkeitsarbeit: https://www.bildungspraemie.info/de/oeffentlichkeitsarbeit-32.php

Bücher Never stop learning: www.pixabay.com

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